Unglücklich die Zeit, die Helden nötig hat!

Eine Lesung über Mut, Feigheit, Kollaboration und Verdrängung
gelesen von Charles Muller, Marc Limpach, Pitt Simon und Christiane Rausch
Konzept und Textauswahl Frank Feitler / Marc Limpach

Nach dem 2. Weltkrieg wird die Luxemburger Bevölkerung, vor allem von führenden Politikern, sehr schnell in zwei Gruppen unterteilt: 95 Prozent der Luxemburger wären demnach heldenhafte Widerständler gewesen, daneben hätte es eine, nur verschwindend kleine Gruppe von Kollaborateuren gegeben. Doch zwischen dem sehr seltenen Heldentum und aktiver Kollaboration, gab es vor allem sehr viele Grautöne. Als die Wehrmacht am 10. Mai 1940 in Luxemburg einmarschierte, war nichts wirklich vorbereitet. Die Regierung floh ins Ausland und eine aus hohen Beamten bestehende Regierungskommission, wurde gegründet. Ende Juli 1940 wurde die deutsche Zivilverwaltung, mit Gauleiter Gustav Simon an der Spitze, eingesetzt. Die Regierungskommission wurde in Verwaltungskommission umbenannt und wurde wohl oder übel zu einer Art Mittelinstanz zwischen den deutschen Besatzern und den unteren luxemburgischen Behörden. So klein er auch gewesen sein mag, so hatten die hohen Beamten doch wohl in der Frühzeit der Besatzung noch einen gewissen Handlungsspielraum. Einige Mitglieder der Verwaltungskommission halfen jedoch, bewusst oder unbewusst, der deutschen Zivilverwaltung, den luxemburgischen Staatsapparat zu übernehmen. Als die Verwaltungskommission dem Gauleiter nichts  mehr brachte, wurde sie Ende 1940 aufgelöst.
Die Texte für diese Lesung stammen vor allem aus den Epurations- und Verwaltungsdossiers von Louis Simmer, in der Verwaltungskommission zuständig für das Schulwesen, von Oberinspektor Reuland und von dem für den Kreis Esch zuständigen Schulinspektor Nicolas Schmit, dessen „offenes Bekenntnis zum Deutschtum und zur nationalsozialistischen Weltanschauung“ ihm von den Nazis hoch angerechnet wurde. Hier kann man durch ihre persönlichen Stellungnahmen aus den Archiven ihre unverfälschten Stimmen hören, die Beschreibung ihrer angeblichen Gewissensnöte, ihre als Besonnenheit getarnte Feigheit, ihre nachträglichen Rechtfertigungen… Die Lesung wird kontrapunktisch ergänzt durch die wütende, manchmal schrille Stimme des Lehrers und Resistenzlers Albert Wingert, der, nach seiner Rückkehr aus Hinzert und Mauthausen, vergeblich nach Aufklärung und Gerechtigkeit in der Nachkriegszeit verlangt.

Eine Produktion des Kasemattentheaters mit der Unterstützung der Fondation Robert Krieps

Réservation en ligne:  THEATRE ESCH